Den Wandel denken

Globale Alternative will die Frage beantworten, ob es möglich ist, mittels anderer ‚Spielregeln‘ Verhältnisse herzustellen, die besser im Einklang stehen mit unseren Bedürfnissen und mit dem Erhalt der natürlichen Voraussetzungen zu ihrer Befriedigung.

Dabei ist das Spiel freilich auf das Interesse und das Engagement der Mitspieler und Mitwirkenden angewiesen. Doch die Menschen, die sich im Spiel treffen werden, die Pläne schmieden, Projekte entwickeln, Gemeindeleben organisieren, Entscheidungen treffen, diskutieren und Probleme lösen sind gleichzeitig die Menschen der Gegenwart. Und sie werden nebst guten Absichten, Vernunft und Logik auch all das an Urteilen, Vorstellungen und Denkstrategien in das Spiel hineintragen, die sie aus ihrem Alltag kennen und nutzen, um in einer komplizierten Welt zurechtzukommen.

Doch ist jetzt alles anders. Der Wandel ist allumfassend, und er erfordert ein Umdenken.

Müssen die Menschen in der Realität der heutigen Gesellschaft alle Einrichtungen und auch alle anderen Menschen als Bedingung für ihr eigenes Fortkommen betrachten, betreten sie im Spiel eine Gesellschaft, in der diese Bedingungen (Geld verdienen, konkurrieren müssen) nicht mehr existieren. Stattdessen geht es zuvorderst darum, das sicherzustellen, was das gemeinsame Fortkommen ermöglicht – nicht nur das der einzelnen Allmende, sondern letztlich das der menschlichen Gemeinschaft als Ganzes. Herauskommen soll dabei ein gutes Leben für jeden: Sicherheit, Selbstbestimmung, Gestaltungsfreiheit und nicht zuletzt: Zeit – viel Zeit für sich und für die, die einem wichtig sind, Zeit für Kreativität, Natur, eigene und Gemeinschafts-Projekte, Forschung, Sport und … – was immer.

Woher diese freie Zeit kommen soll?

Zunächst einmal resultiert ihre Annahme aus einem Kalkül. Denn wer sich vorweg gedanklich schon einmal auf die erste Spielregel einlässt und sie mit den jetzigen Verhältnisse abgleicht, kann zu erstaunlichen Einsichten gelangen. Offen tritt dabei zutage, was uns kaum mehr bewusst ist: mit welcher Selbstverständlichkeit das Geld die Gesellschaft dirigiert – und unser aller Denken und Handeln infiltriert, bis in die privatesten Gefilde hinein.

Steht zum Beispiel die Frage im Raum, welche Arbeit allein für die Aufrechterhaltung des Geldsystems, also für seinen Umschlag, seine Verwertung, Verwaltung und Registrierung aufgewendet wird, fallen einem als erstes die damit befassten Berufe ein: Banker, Versicherer, Finanzbeamte, Steuerberater, Buchhalter, Finanzmanager, Verkäufer, Makler, Sicherheitsdienste etc. etc. bis hin zum Kassenpersonal im Supermarkt.

Sich an diesen Tätigkeiten gedanklich entlanghangelnd, fällt dann aber auch auf, dass zum Beispiel zur Einrichtung eines Kassenareals ja noch ganz andere Berufe gefordert sind. Die Kassen, die dafür nötigen Computer, das Laufband, die Sperren, das ganze Drumherum will ja auch erst einmal hergestellt sein … – d.h. hier wurde ebenfalls und nicht zu knapp gesellschaftliche Arbeit aufgewandt. Einfallen könnten einem in diesem Zusammenhang auch noch all die Kassenautomaten, die hergestellt und gewartet werden müssen. Und vieles mehr – dem Vorstellungsvermögen sind nun Tür und Tor geöffnet.

Hat sich der Blick so geweitet, wird schließlich auch ersichtlich, welche enormen Mengen an gesellschaftlicher Arbeit und an Ressourcen überdies aufgewendet werden, um die oben angeführten Tätigkeiten in Gebäude zu hüllen und diese mit Möbeln und Technik auszustatten. Oder in die zu ihrer Aufrechterhaltung benötigte Mobilität … – immens.

Wieviel Arbeitszeit und –kraft, wie viele Ressourcen – nicht nur materieller Art, sondern auch an Intelligenz und Gesundheit – werden also allein schon durch all diese Tätigkeiten verschlissen? Verschlissen in einem System, das den volkswirtschaftlichen Mythen zufolge unersetzlich ist, um die Bedürfnisse der Menschen an materiellen Gütern zu befriedigen …

Bisherige Berechnungen zeigen, dass mindestens 63 Prozent der gesellschaftlichen Arbeitskraft in die oben beschriebene Abwicklung, Aufrechterhaltung und Nutzung des Geldsystems fließt. Die eigentliche Produktion der Waren inklusive der organisatorischen Arbeiten nimmt indessen lediglich 21 Prozent in Anspruch, 16 Prozent geht in Dienstleistungen.

In diesem Zusammenhang sei auch noch die durch das Geld beförderte Produktionsweise in der Freien Marktwirtschaft angesprochen. Sie führt zu ganz eigenen bizarren Auswüchsen (nachzulesen auch im Menübeitrag ‚Kapitalismus‘), da die Produkte exklusiv für den Verkauf hergestellt werden, ihr Gebrauchswert indessen sekundär ist und nur insofern eine Rolle spielt, als er auf ein Kaufinteresse treffen muss oder ein solches zu erzeugen vermag.
Die Produzenten müssen sich in der Konkurrenz durchsetzen, was den gesamten Rattenschwanz an Strategien zur Verbilligung der Warenproduktion nach sich zieht. Dies bedeutet Lohnkostenreduzierung, Senkung der Kosten für Rohstoffe (was deren weitere Erschließung erzwingt) und Energie, ein immenses Transportwesen und nicht zuletzt die Vernutzung menschlicher Arbeitskraft in Billiglohnländern und im rastlos-bizarren Getriebe der Industriestaaten.  

In Globale Alternative wird die Produktion von nützlichen Gütern, Informationen, Wissen und Dienstleistungen vom Kopf wieder auf die Füße gestellt. Sie dienen der konkreten Bedürfnisbefriedigung, und nur ihr. Da nun kein Interesse mehr an der Produktverwertung im Sinne des Geldverdienens besteht, steigt indessen das Interesse an Funktionalität, Langlebigkeit, Nachhaltigkeit, Effektivität und dem Schonen von Ressourcen.

Möglich, dass unter anderem dabei folgendes herauskommt:

  1. Es wird nachhaltig produziert, denn die Langlebigkeit der Produkte und ein geringer Ressourcenverbrauch zu ihrer Herstellung sind von immanentem Vorteil
  2. Es wird kein Überfluss produziert
  3. Landwirtschaft und Fischfang werden nach ökologischen Kriterien organisiert; die Massentierhaltung als Produkt der marktorientierten Gewinnmaximierung wird es nicht mehr geben
  4. Die Produktion von Verpackungsmaterial und Einwegartikeln wird drastisch reduziert (eine weitere Entlastung der Umwelt)
  5. Gesundheitsschädliche Tätigkeiten werden überflüssig oder – wo unbedingt erforderlich – weitestgehend automatisiert
  6. Die Energieversorgung kann dezentral und regenerativ organisiert werden
  7. Stressbedingte Erkrankungen oder solche durch gesundheitsschädliche Tätigkeiten fallen weg
  8. Die Medizin konzentriert sich auf Vorbeugung und Gesundung. Die Medikamentenproduktion beschränkt sich auf die wichtigsten Wirkstoffe und deren optimalen Einsatz

Vieles ist absehbar, doch nur die Überlegungen, Entscheidungen und das Agieren der Mitwirkenden können ersichtlich werden lassen, welche konkreten Veränderungen sich erzielen lassen.

Die ‚neue Welt‘ ist unfertig, und genau darin liegt ihre Chance. Und ihr Reiz.